Die Welt schön lächeln.

Du kennst das wahrscheinlich auch: Auf dem Weg zur Arbeit begegne ich mehr oder weniger immer denselben Menschen. Ich gehe mit ihnen, oder sie kommen mir entgegen. Der Singh, der meist verlegen auf den Boden und dann kurz vor dem aneinander Vorbeigehen mir in die Augen schaut, der Typ, der eigentlich am Liebsten auch im Gehen in seinen Laptop hacken würde, die Frau, die mich von weitem mustert, im Auge behält, um dann zwei Meter vor dem Grüssen entweder gähnt oder auf den Boden starrt.

Schade eigentlich.

Eines Tages habe ich damit begonnen, diese Menschen, egal wie wildfremd, anzulächeln. Ein «Guten Morgen» wäre schon zuviel gewesen. Aber ein Lächeln, so unschuldig wie ich vom Lande geht schon.
Nach und nach kamen Lächler zurück. Ich wende das inzwischen auch auf die Bedienung in der Bäckerei, auf den mürrischen Kassier im Discounter und die gestresste Chauffeuse im Bus an. Und: Es klappt. Ich lächle mir meine kleine Welt schön. Egal, wieviel Misstrauen mir dabei manchmal entgegenschlägt. Ich lächle mutwillig wild drauflos.

Inzwischen grüssen mich einzelne Begegnungen schon. Und wir sind uns nicht mehr so fremd. Wir quittieren uns unsere Begegnungen: «Ich nehme dich wahr, also sind wir.» Mittlerweile habe ich sogar den «Ey, schon lange nicht mehr gesehen!»-Blick drauf.
Da ich das offenbar auch auf fremden Wegen mache, kommt es ab und an zu kleineren Missverständnissen, die aber mit der Frage «Kennen wir uns?» und meiner Antwort «Nein, ich schaue bloss» schnell und belustigend geklärt ist. Manchmal ergibt sich daraus ein Gespräch. Manchmal nur ein irritiertes Kopfschütteln.

Manchmal stelle ich mir vor, wie sich auch die anderen Menschen mit der Zeit ihre kleine Welt schön lächeln und sich dieses Gelächle verästelt und ausbreitet. Auch an weniger sonnigen Tagen. Weil dann die Sonne – so kommt es mir wenigstens vor – da und dort doch durch die Wolkendecke bricht.

Wenn ihr mir also begegnet: Wundert euch nicht. Lächelt dann bloss.
Danke.

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Ein Gedanke zu „Die Welt schön lächeln.“

  1. Lieber Stefan

    nun, bei einem meiner seltenen Facebookbesuche bin ich über Dein Tagebuch gestolpert.
    Der Titel” Die Welt schön lächeln” hat mich neugierig gemacht.
    Du hast es so treffend , lustig und schön beschrieben. Und gerade jetzt muss ich einfach lächeln.
    Ich mach es nämlich seit Jahren auch so das ich mir die Welt schön lächle. Eine feine Sache.

    Ganz liebe lächelnde Grüsse
    Larissa

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