Exdreamly busy.

Sitzungen hier, Treffen dort, dazwischen eine kleine Zwischenbesprechung, das Sandwich ist noch immer nur angebissen, sein Inhalt schon etwas welk. Dann ein paar Unterlagen, Statistiken und Resummées lesen und mit dem Zug gleich ans nächste Meeting. Ich fresse mich durch den Tag ohne satt zu werden. Unterwegs setze ich gedanklich Post-it-Kleber in die Landschaft: «Da solltest du mal hin, hier müsste ich demnächst mal ein wenig sitzen bleiben …», wie Buchzeichen für spannende Stellen oder Markierungen an schönen Orten, die ich beim Durchrasen einfach nicht geniessen kann.

Dabei wächst die Sehnsucht. Und die Erinnerung an Zeiten, in denen ich als fauler Hund auch wirklich ein fauler Hund war, tauchen immer wieder auf.
Dabei bin ich selten gestresst. Stress hätte ich in Situationen, denen ich nicht gewachsen wäre. Das kommt – nenne es Selbstüberschätzung – kaum je vor. Aber wenn mir abends tausend Gesprächsfetzen wie lose Enden durch den Kopf schiessen, mir auffällt, dass dieses und jenes nicht zu Ende gedacht ist oder wichtiges nicht ausgesprochen wurde, finde ich kaum Schlaf.

Im Dunkeln.

Ich setze mich dann eine Stunde lang ins Dunkel und warte, bis sich die Lage beruhigt. Jetzt kann ich eh nichts machen. Niemand erreichbar. Oder ebenfalls im Dunkeln sitzend, wartend, bis sich dessen Lage beruhigt. Vor einem Jahr war die Niere schon draussen und ich durch die zahlreichen Eingriffe und die Imun-Therapie zum kleinen Pisser mit Minimal-Radius geworden. Ich habe mir damals vorgenommen, meine Kräfte besser einzuteilen und mehr auf meinen Engel zu hören. Heute ist er bereits wieder hoffnungslos in der Opposition. Natürlich bin ich wählerischer geworden. Und ökonomischer. Sehe schneller ein, wenn etwas nichts bringt. Oder nur Scherereien. Und je nach Tagesform lasse ich es dann auch fahren. Und dennoch komme ich nicht dazu, den einen oder anderen schönen Ort, an dem ich ein Post-it hinterlassen habe, aufzusuchen und ihn zu erkunden, zu geniessen und in echt zu erleben.

Sit.Zen.

So mehren sich die Pendenzen, so nährt sich der Mangel. Und dass der Frust nicht wächst, ist nur den Umständen zu verdanken, dass a) die Aufgaben so extrem spannend sind und b) ich es dabei mit grossartigen Menschen zu tun bekomme. Dafür bin ich dankbar. Sehr sogar.
Manchmal kommt es dennoch hart auf hart. Dann wende ich einen Trick an, den ich mir beim Nachbarn abgeschaut habe: Er hat so einen kleinen Rasenselbstmäher… Selbstrasenmäher… so einen Flachroboter eben. Ich stelle mir dann während der Sitzung vor, ich sässe im Garten und sähe diesem tumben, genügsamen, kleinen Ding (ich nenne ihn Trump) zu, wie es anspruchslos und ein Gemetzel hinterlassend seine Bahnen zieht, immer wieder irgendwo dagegen stösst, wendet und in irgendeiner anderen Richtung weitermäht, bis seine Batterien alle sind.

Das hilft.

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