Ich habe Nachbarn.

Ich habe Nachbarn. Ich weiss. Haben Sie auch. Aber meine Nachbarn schlagen alles. Die perfekte Besetzung für einen Dokumentarfilm, der veranschaulichte, warum es immer wieder mal zu Affekthandlungen kommt, auch und gerade in den betulichen, lendlichen Gegenden.

Ich habe Nachbarn. In ihrem letzten Leben waren sie wohl Gartenzwerge. Gartenzwerge in einem wild wuchernden Garten. Zum Nichtstun verdammt, aber mit dem grossen Vorsatz, es das nächste Mal besser zu machen.
Meine Nachbarn sind bestimmt pensioniert. Wahrscheinlich sind sie direkt pensioniert zur Welt gekommen. Niemand sonst hätte so viel Zeit für Zeitverschwendung und Anderen-Menschen-auf-den-Sack-gehen. Ich habe Nachbarn, die denken: «Zum Glück weiss niemand, dass wir unseren eigenen Atomschutzbunker haben». Und die einen Sohn haben, der denkt: «Hoffentlich kommen meine Eltern nicht dahinter, dass ich nicht Gerbera in ihrem Atomschutzbunker züchte.»

Ich habe Nachbarn. Und die haben alles, was tönt. Generatoren, Kompressoren, Sprinkleranlage, Kärcher mit allen Aufsätzen, Rasenmäher GT, Bandschleif- und Bohrmaschinen. Und sie haben Zeit. Anders ist nicht zu erklären, wie er am Abend eine Stunde lang dem vollautomatischen Sprinklersystem zusehen kann und sie am nächsten Nachmittag während gefühlten 72 Stunden die mittlerweile mit Algen bedeckten Gartenwege mit dem Kärcher wieder reinigen oder die immer wieder gesprinkelten Gartenmöbel erneut imprägnieren kann. Nicht ohne diese vorher mit dem vom Kompressor angetriebenen Schleifer bearbeitet zu haben.

Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass sie sogar extra laut Blumen und Äste schneiden. Und wenn ihnen das zu leise ist, nehmen sie den – Sie ahnen es – Kompressor-betriebenen Rasenmäher aus dem Geräteschuppen. Und den Akku-Handtrimmer, weil … an den Rändern ist der rasende Mäher nicht so präzise.

Ich habe Nachbarn. Und die haben einen Hund (und eine Warntafel vorne am Zaun). Da liesse sich etwas machen. Ich habe einen Tucker.

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Ein Gedanke zu „Ich habe Nachbarn.“

  1. My oh My … DAS kenne ich auch. Manchmal fühle ich mich umzingelt. Nicht nur von GeräteGetriebenen. Nein, auch von laut kreischen und/oder keifenden, die Türenknallen als Hobby haben und leidenschaftlich unter meinem Schlafgemach rauchen (nein, keine Gerberas) und beinahe rund um die Uhr den Dampfabzug laufen lassen, der den Eindruck hinterlässt, dass sie nur mit Fett kochen. Und das schmiert dermassen, dass die WholeFamily andere Hausbewohner nur im äussersten Notfall grüsst. Aber wenigstens gibt es in der Waschküche keinen Zoff mehr. Den hatten wir vorher. Mit dem Vormieter. Nitabene Hüttenwart. Und DER, der hatte auch einiges an tönenden Gerätschaftaften auf Lager. Und pensionierte, neugierige Zeit. Jajaaaa. Und wir sind ihn los geworden. Auch ohne Trucker 😉

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