London calling (I)

Die letzten Wochen waren über die Massen anstrengend. Sitzungen, Organisatorisches, Diskussionen, neue Spielregeln, alte Fehler. Und alles gleichzeitig, wie Rücken- und Gegenwind aufs Mal. Und dann plötzlich ab auf den Flieger. Weg zu einem Ort, der mir ohne logische Erklärung wie meine alte Heimat vorkommt, obwohl ich erst mit etwas über 30 zum ersten Mal hier ankam: London.

Zurück bleibt eine ungewisse Situation, die fast schon zur Gewohnheit geworden, nun aber ungewisser ist als jemals zuvor. Zurück bleibt das Gefühl, nicht zu genügen. Weil ich das, was ich tue – oder beabsichtige – weder erklären, noch mit Diplomen untermauern kann. Und eigentlich auch nicht müsste, weil es ja funktioniert. Zurück bleibt die leise lauernde Angst, ich könnte wieder krank werden, auch oder wegen eben diesen Umständen.

In der Sitzreihe hinter mir sagt jemand:

Schon beeindruckend, diese Alpen.

Ich sehe aus dem Fenster und denke: «So ein Riesendurcheinander! Alle unterschiedlich hoch, manche weiss, andere nicht, nicht mal die Spitzen sind gleich spitz. Und kreuz und quer stehen sie auch noch herum!» Wenn ich gross bin und Zeit habe, werde ich die Alpen aufräumen. Dann seht ihr mal, wozu ich fähig bin. Dann gibt es nichts mehr zu mäkeln, bloss weil ich es eben anders mache als ihr!

Tja, was man sich so denkt, im Flieger, über den Alpen, auf 7686 m.ü.M, irgendwo zwischen hässlicher Routine, phantastischen Projekten, kalten Schultern und London, meiner zweiten Heimat.

London, der Ort der Lautsprecher, aus denen unablässig der Hinweis quellt: «Please mind the Gap.» Als könnte ich das jemals vergessen.

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