London calling (II)

Wir tropfen in den leeren Zug. An jeder weiteren Station spült es mehr Menschen in die «Coaches». Je näher wir dem Zentrum kommen, umso mehr fluten herein. Und in London Bridge quellen alle aus dem Zug und überschwemmen Platforms und schliesslich die Strassen. Bewege ich mich nicht gleich schnell, stehe ich im Weg. Überall. 

Wenn London etwas nicht ist, dann wäre das bescheiden. Wind, Menschen, U- und S-Bahnen, Backsteine, Glas- und Stahlgebäude, Läden, Strassen und Autos – alles gibt es hier im Übermass. Zur Cigar hat sich noch eine Handorgel und ein Zahnstocher gesellt. Die anderen neuen Gebäude protzen einfach mit Volumen. Glücklicherweise entkommen wir dem Lärm, sobald wir wieder in Crystal Palace, einem irgendwie nicht aufstrebenden, hübschen Aussenquartier dieser umtriebigen Stadt ankommen.

Kaum ist der Lärm verebbt, kommen wieder die eigenen Gedanken. Was, wenn London schon heute das Modell für unsere Zukunft, auch in anderen Städten ist? Was, wenn das Umtriebige zum Normalfall wird? Wenn es keine Rolle mehr spielt, wessen Gesicht ich trage? Weil es egal ist, was ich tue und dass ich unablässig beschäftigt bin. Mit Dingen, von denen ich nicht mal weiss, warum ich sie tue, mal abgesehen davon, dass sie mir jemand aufgetragen hat? Was, wenn wir vor lauter Arbeit die Dinge nicht mehr sehen, die unser Leben wahrlich bereichern? I‘ll keep my eyes open. Wide open.

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