London calling (V-VII)

Ich habe erfahren, dass es in London heiss war, bevor wir ankamen. Grossartig. Nun windet es wie blöd und haut einem die Tropfen um die Ohren. Zeit, um einen Tag drinnen, an der Wärme und mit eigenen Gedanken zu verbringen. Ein wenig über Familie zu reden. Und was sie verbindet bzw. trennt. Über die Jahre. «Familie» hat seit meiner Erkrankung eine andere Bedeutung bekommen. Genauso, wie der Aspekt der Anteilnahme. Also nicht dem Mitleiden, sondern dem positiven Mitfühlen. Gegenseitig. Und der Wertschätzung, die daraus erwächst.

Es ist nicht so, dass ich jeden Tag Kassensturz machen würde, um zu sehen, was ich habe und was nicht. Aber ich stelle dennoch Tag für Tag fest, was fehlt bzw. hinzugekommen, was mir ge- oder misslungen ist. Vielleicht liegt es auch am Wetter, wenn ich denke: Noch einen Sommer, noch eine Runde, einen Abend unter Freunden, noch einmal eine Ausstellung, vielleicht nächstes Jahr, an einem schönen Ort mit vielen wunderbaren Begegnungen oder – vielleicht etwas bescheidener: noch herausfinden, ob ich im Wasser immer noch so schnell bin.

Und ich möchte wichtige Dinge tun, Dinge, die mir wichtig sind. Zum Beispiel: DO THE BONSAI. Obiges Bild zeigt in geradezu perfekter Weise, wie das geht und was damit gemeint ist. In fact: Ich weiss nicht mehr genau, wie ich auf die Bonsai-Sache gekommen bin. Ich habe daran herum studiert, dass ich – wie andere auch – ein kleiner Strampler bin, der versucht, das Richtige zu tun. Ich habe es laut gesagt und Yelsha (in der Bildmitte) hat dazu spontan die einzig richtige Pose eingenommen. DO THE BONSAI hat sich dann in unseren London-Tagen schnell etwabliert, und wir haben das Ganze in aller Öffentlichkeit zelebriert.

Im meine das imFall total ernst! Wir tun so viele Dinge, bei denen wir vorgeben oder uns einreden, sie seien wichtig. Wenn ich mir aber all die Japanerinnen und Japaner ansehe, die in den schrägsten Kleidungen durch London ziehen und sich köstlich amüsieren, dann wird mir einiges klar. BECOME A PIECE OF ART. Mach’ etwas aus dir. Lebe deine Phantasien. Und lache, wenn die anderen dumme Sprüche darüber machen. Schliesslich machen sie auch nicht deine Arbeit oder bezahlen deine Rechnungen. Dann sollen sie sich auch nicht auf deine Kosten amüsieren.

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