Reformorientiert oder Wischi-Waschi?

Meine Reaktion auf die ersten paar Zeilen des zur Diskussion gestellten Papiers der «reformorientierten» SP-Exponenten war ganz ähnlich wie jene von Daniel Foppa (oder Fauxpas?), seines Zeichens Zuspitzer, Hochjubler und Thronstürzer beim Tages-Anzeiger.

Er findet, dass das Papier die heissen Themen «Asyl» und «Sicherheit» (Beachte: die Presse nennt diese manchenorts in einem Atemzug) ausklammere und da, wo es Stellung beziehe, bleibe es dünn und vage. Immer dieselben Denkfehler!

A) Als wäre die Asyl-Thematik der Hauptgrund für unser unsicheres Leben hier in der Schweiz. Es sind die Übertreibungen und Zuspitzungen dieses Themas, die uns in unserem sicheren Land unsicher fühlen lassen (wobei die Medien da tatkräftig mitwirken)!
B) Vielleicht ist es ja gerade das Fehlen der Extreme, was die abgebrühten Zuspitzer als dünn und vage empfinden. Dabei sind es einfach nur Mitte-Positionen, freundlich und pragmatisch. Und da bei uns in der Schweiz die Extreme naturgemäss nicht weit auseinanderliegen, entblössen solche Kommentare die Journalisten als Dünnbrettbohrer.

Umso bedauerlicher finde ich, dass «Die Reform» bereits auf der ersten Seite irrtümlich feststellt «Das öffentliche Bild der SP Schweiz ist wesentlich von einem prononcierten Linkskurs geprägt.» Geprägt ist das Bild durch die zugespitzte Überlieferung der Presse, die einfach nicht zuhört und berichtet, wenn nicht geplärrt, sondern nur leise erzählt wird. Anders gesagt:

Wäre der Wolf, der Kreide frass (und dann die Geisslein), kein Wolf gewesen, er wäre in der Märchenwelt in Vergessenheit geraten.

Oder kennen Sie einen grimmigen Veganer?

Ganz unten auf Seite 2 – Werte – steht: «Wir lehnen das prinzipielle Verharren auf Maximalforderungen ab: Es engt sowohl den Handlungsspielraum als auch die Gestaltungskraft ein und beschädigt nicht zuletzt die Glaubwürdigkeit gegenüber den Wählerinnen und Wählern.» Dies abzulehnen, steht jedem frei. Das mit der Einengung erklärt sich von selbst. Aber das mit der Glaubwürdigkeit ist brutal herbeigemogelt bzw. extrem subjektiv. Ich erinnere nur an eine Wahl in England, als alle drei Parteien Tod und Teufel schworen, niemals eine Mehrheit mit einer anderen Partei zu bilden – vor der Wahl. Danach ist so ziemlich jede mit jeder probehalber ins Bett gestiegen. Glaubwürdigkeit hängt nicht allein davon ab, dass ein Resultat erzielt wurde, sondern auch davon, ob es mit gehörten Wahlversprechen in Einklang gebracht werden kann, oder ob die veränderte Position nachvollzieh- und daher akzeptierbar ist.
Ausserdem hat dieser Punkt unter «Werte» nichts verloren. Vielmehr hätte er einen Grund geliefert, das Thema «Strategie» ins Papier aufzunehmen. Eigentlich schade. Eigentlich unabdingbar. Denn ohne diesen Punkt kann man dieses Papier nicht wirklich diskutieren. Ausser live, am Tisch mit den Protagonisten. Ich hoffe natürlich auf eine Einladung. Und zwar erst einmal unter Ausschluss der Presse. Denn diese schadet uns seit Jahren mehr, als sie uns nützt, wenn sich die Reformierten selbst richtig verstanden haben.

Apropos: Die Schlagzeile «Offensive der Prügelknaben» ist geradezu lächerlich. Pascale Bruderer ist keine Prügelknäbin. Sie wusste sich immer zu wehren und sich zu positionieren. Daniel Jositsch ist kein Prügelknabe. Und er wurde stets von der Presse wahrgenommen, wenn er etwas zu sagen hatte. Was da steht, ist einmal mehr dämliches Presse-Geschwurbel, journalistischer Mainsdream.

Und damit zurück zu Tagi-Fauxpas, der in seinem Polemtar vom 28. Februar gleich alles in einen Topf wirft. Merke: Wenn es ein Journalist seines Kalibers schreibt, ist es keine Verschwörungstheorie. Er schlägt darin die Brücke vom entnervten Rücktritt von Daniel Frei als Parteipräsident der SP Kanton Zürich über die sehr freie Interpretation von Asyl-Gesetzen (bzw. Vollzugsregeln) des SP-Sicherheitsdirektors Mario Fehr bis hin zum gut organisiert geäusserten Frust einiger Linker darüber, nicht als Mittler wahrgenommen zu werden und fasst das dann zusammen mit «Schlechte Zeiten für Abtrünnige». Öhm.
Liebe Daniel, Daniel, Chantal, Pascale und Mario … seht ihr, wie das geht?

PS 1: Wäre es nicht sinnvoller für die SP, den Stimmenden und Mündigen im Land ein neues Presseerzeugnis anzubieten statt der noch existierenden Presse einfach eine weitere Gelegenheit für ein paar blöde Headlines?

PS 2: Ist eigentlich allen der Unterschied zwischen Sekte und Sektion bekannt?

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