Routine, killing me softly.

Manchmal kämpfe ich fast schon verzweifelt gegen Routine an. Gegen meine und jene, mit der mir andere begegnen. Das ist anstrengend. Aber weit weniger anstrengend, als sie zu akzeptieren. Denn

Routine ist wie Hornhaut im Kopf.

Routine macht mich unsensibel, blind für Abweichungen. Blind für Variationen des Alltags. Variationen, die den Alltag weniger langweilig erscheinen liessen und mich weniger abnützten. Wenn ich eine Abweichung von der Routine wahrnehme, mache ich meine Wahrnehmung passend, mache ich es mir bequem. Es ist doch alles gut. So wie immer.

Routine lässt mich aber auch kalten Arsches immer wieder dieselben Fehler machen. Wozu etwas ändern? Das Resultat ist doch wieder dasselbe. Alles richtig falsch gemacht, Bestätigung inklusive. Danke.
Routine lässt mich mechanisch ausführen, was vielleicht hinterfragt oder gar nicht getan werden müsste. So mache ich mich selbst zum Werkzeug, dumpf und ambitionslos. Routine fusst auf der hässlichen Annahme, es sei selbstverständlich, so, wie es ist. Und es werde auch immer so sein.

Ausserdem ist Routine auch Ignoranz. Vor allem bei Begegnungen. Ich blende aus, dass du heute besonders bist. Dass ein Lächeln oder ein wenig Trübsal über dein Gesicht huscht, dass du bei deiner Kleidung heute etwas riskierst, ein Statement machst. Ich ignoriere aber auch mein eigenes kleines Glück. Dass mir die Sonne heute aussergewöhnlich freundlich gesonnen ist. Oder alles auf Grün stellt, wo ich auch hinkomme.

Das will ich aber nicht übersehen. So wenig, wie ich übersehen werden will. Darum kämpfe ich gegen die Routine, sehe zweimal hin, wenn beim ersten Mal nichts passiert ist. Gehe andere Wege, wähle andere Worte, denke mir die eine oder andere kleine Überraschung aus und warte auf den richtigen Moment: jetzt.

Routine soll nicht mehr sein als Plan B, falls beim Ungeplanten alle Stricke reissen, aber unbedingt etwas Zählbares her muss.

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2 Gedanken zu „Routine, killing me softly.“

  1. Schöne Gedanken – und so wahr. Je mehr wir nur noch aus Gewohnheit leben, desto mehr sieht alles nur noch gewöhnlich aus. Und je gewöhnlicher es scheint, desto weniger schauen wir hin, weil wir glauben, zu wissen, was wir sehen würden. Das Resultat sind ganz viele Blinde.

    1. Yep. Und für manche (die nicht mehr hinsehen), mag das Leben nicht nur eintönig, sondern auch nicht mehr lebenswert erscheinen. Im Umkehrschluss: Man achte aufs Detail, und schon kehren die Lebensgeister zurück. 🙂

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