Wollen wirklich alle geliebt werden?

Wenn wir doch alle nur geliebt werden wollten, warum benehmen sich dann so viele immer wieder wie Ärsche, die man nicht mal treten mag? Warum machen wir uns gegenseitig und damit uns selbst dann das Leben oft so schwer? Diese Leute kennst du sicherlich auch: Menschen, die sich voller Stolz Pragmatiker nennen. Ich bezeichne sie als «irrtümlicherweise desillusioniert». Woran ich das merke? Ich sage diesen Menschen bei der erstbesten Gelegenheit, dass sie doch gerade eben eine starke Idee (was ist wurscht) geäussert hätten, aus der man ein grossartiges Projekt machen sollte. Dabei schaue ich bambi-like bewundernd. Und schon blitzen bei ihnen so etwas wie Feuer und Flamme auf. Beides keine Wesensmerkmale von Pragmatikern im Reinzustand. Menschen mit Feuer und Flamme – und seien diese auch nur temporär – wollen auch geliebt werden. Und sei es nur temporär.

Warum mich solche Leute beschäftigen? Nun. Zum einen, weil ich es exzessiv mit ihnen zu tun bekommen habe, sie immer zahlreicher werden und wohl bald kein Weg mehr an ihnen vorbeiführt. Und zum anderen, weil ich mir in meinem Zustand – in einem Monat habe ich die nächste Kontrolle – sehr genau überlege, inwieweit mich der Umgang mit ihnen wieder krank macht. Und wie sehr sie mich von meinem Ziel, einfach zu leben und zu sein und zu tun, abbringen, weil:

Kennst du das auch: Du schaust zu, wie jemand total auf den Holzweg gerät, allein schon aus lauter Trotz, weil du nicht mit Diplomen beweisen kannst, dass deine Ratschläge oder Warnungen richtig sind?

Und um noch einen oben drauf zu setzen: Nachdem er den Karren so richtig in den Sand gesetzt hat, lässt er ihn los und behauptet, es sei dein Job das Ding wieder in Fahrt zu bringen. Ich weiss nicht, wie ich vor diesem Hintergrund alt, etwas weiser oder gar altersmild werden soll! Auch fühlt es sich so überhaupt nicht gesund an. Sondern traurig. Und müde. Das Leben.

Ich habe wieder zu lesen begonnen. Bücher, die schlauer machen. Vom ersten Moment an. Mich jedenfalls, was möglicherweise daran liegt, dass ich so wenig kann und weiss. Jedenfalls haben sie sogleich impact, spürbar. Spürbar ist aber auch, dass der gap zwischen mir und den anderen damit noch grösser wird. Und meine wachsende Aufmerksamkeit nur noch mehr Missverständnisse wahrnimmt. Ich glaube, ich lese als nächstes ein Buch, das mir beibringt, wie ich meine Eindrücke für mich behalten kann. Denn: Ich will nur geliebt werden.

Einen schönen Tag euch allen 🙂

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4 Gedanken zu „Wollen wirklich alle geliebt werden?“

  1. Gut geschrieben, Stefan, ich erlebe die Pragmatiker auch, sie sind immer auf der sicheren Seite und wir sind eben immer die krankhaft Empfindsamen. Halte das manchmal fast nicht aus, tut gut von dir Erfahrungen zu hören…… Wűnsche dir alles Gute, darf einfach nicht sein, dass liebenswerte Menschen von Krankheiten getroffen werden…… einfach nicht fair ….!!🤔🤗😮😪😛

  2. Ein schwieriges Thema. Wir alle wollen geliebt werden. Und uns wurde eingeimpft, dass wir etwas zu leisten hätten, auf eine gewisse Art zu sein hätten, um es zu werden. Und so sind wir dann. Nicht mehr wir selber, sondern so von aussen bestimmt liebenswert. Das ist meist so gar nicht liebenswert, weil ziemlich berechnend.

    Manche belassen es dabei und fahren vordergründig gut. Zwar werden sie nicht wirklich geliebt, aber sie haben Erfolg. Das deckt eine Zeit lang die Ur-Sehnsucht. Wenn nicht mehr, wird es eng.

    Andere fahren nicht so gut und hinterfragen. Und da treffen sich dann beide wieder: Man muss was ändern und es gibt genügend Theorien, wie das ginge… man ist nicht blöd und verschreibt sich einer. Buddhismus, Yoga, Tantra, Achtsamkeitsmeditationen, Religionen, psychologoische Ratgeber – irgendwas passt grad so und das nimmt man dann. Und liest und gibt sich geläutert, und spricht in der Sprache der gewählten Richtung… nur: Im Alltag setzt sich das nicht um. Da hilft kein Altar, kein Bücherwissen, kein gar nix. Nur der wirkliche Wille, all das Leistungsdenken aufzugeben. Um wirklich zu sein. Und so geliebt zu werden.

    Braucht Mut. Vielleicht bringt man den oft erst dann auf, wenn man erkennt, dass es SO, wie es bislang lief, wirklich nicht mehr weiter geht. Da ist man aber meist schon sehr weit unten – in irgendeiner Form.

    Wenn man es sich dann leisten kann, Abstand von den anderen zu halten, sollte man das wohl tun. Von ihnen wird nie wirkliche Liebe kommen, sie “lieben” nur, wenn man das liefert, was sie brauchen. Und man fühlt sich selbst dann nicht wirklich geliebt.

    Ich wünsche dir ganz viele Menschen, die lieben. Ich wünsche dir viel Liebe. Jeder Mensch hat sie verdient. Weil er ist. Und sein darf.

    1. Sehr präzise Zeilen. Die in etwas Friedliches, Versöhnliches münden. Für mich beschreibt es auch einen Wettlauf. Was ist schneller erreicht: Der Tod aus Kummer oder das eigene Selbst und damit ein aufregendes Leben? Wer beim Ausmisten des «Anderen» irgendwann einmal auf sein wahres Ich stösst, sollte es sofort freilegen und leben. So viel Zeit haben wir nämlich nicht.

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