FRONTEARS: Collab mit Grischa Schmitz

frontears_packedDas Wort spukt mir schon länger durch den Kopf. Und jedes Mal, wenn ich wieder Bilder dieser kenternden Boote, der Camps im Regen und Morast oder mitten in der Wüste, den endlos scheinenden Menschenkolonnen und die ebenso langen Stacheldrahtzäune in den Medien sehe, leuchtet FRONTEARS rot auf.

Ich habe in keinem Camp geholfen. Bin nur durch Bilder in den Medien betroffen. Genug.

Die einzigen Asylsuchenden und Flüchtlinge, denen ich begegne, sind jene, die es bis hierher geschafft haben, jene, die in der Autonomen Schule Zürich deutsch und anderes lernen. Der einzige andere Bezug, den ich sonst zu den Themen Flüchtlinge und Grenzen habe, sind Geschichtsfetzen meiner eigenen Familie, die irgend etwas damit zu tun haben, dass sie während des 3. Reiches „FRONTEARS: Collab mit Grischa Schmitz“ weiterlesen

JE SUIS …

Ich schicke etwas voraus: JE SUIS klein …
Meine Erfahrung ist zu kurz, mein Hirn zu klein und mein Verstand noch zu wenig geübt, um etwas zu sehen, WIE ES IST. Alles, was ich sehe, ordne ich so ein, dass ich mir einen Reim darauf machen kann. Was ich nicht einordnen kann, filtere ich als INEXISTENT oder PENDENZ aus. Und: Alles, was ich tue, ist OK im Rahmen meiner Möglichkeiten, die Konsequenzen meines Tuns abzuschätzen. „JE SUIS …“ weiterlesen

Lasset uns weichspülen alles und jeden.

Auch wenn der letzte Kiosk zum Event-Kiosk und
jeder Automat zum Erlebnis-Automaten umgebaut,
jede Zugfahrt eine Wellness-Zugfahrt ist
und jeder Einkauf in einer Einkaufsoase
oder einer Konsumlounge getätigt werden kann,
auch dann werden wir wohl
nicht zufrieden sein.
Selbst wenn uns Food- und andere Content-Manager
jeden Bissen vorkauen,
und wir so auch nur noch Convenient-News
zu uns zu nehmen haben,
es wird immer noch etwas geben,
dass wir uns noch mehr erleichtern wollen.

Es führen viele Wege nach Rom.

(Veröffentlicht auf Facebook am 4. Mai 2013)

Die Trolls und die Demokratie

stimmraechtEigentlich begann die Diskussion ganz harmlos. Auslöser war der Vorschlag der Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr, doch über ein gewichtetes Stimmrecht nachzudenken. Im ersten Moment habe ich die Idee reflexartig abgelehnt. Denn mal abgesehen von möglichen Alterskategorien: Wer würde welches Leben wie bewerten um auf einen Schlüssel zu kommen, nach dem sich das Gewicht einer Stimme auch nur einigermassen gerecht taxieren liesse?

Doch so ungeheuerlich ist dieser Vorschlag gar nicht. Bloss würde ich anderswo ansetzen. Es heisst «Stimmrecht». Für mich ist damit die Pflicht verbunden, sich angemessen zu informieren. Dieser Pflicht kommt ein nicht zu unterschätzender Teil der Bevölkerung nicht nach. Nicht ansatzweise. Wenn Rechte und Pflichten sich wirklich die Waage halten sollen, muss ein Stimmrecht auch entzogen werden können. „Die Trolls und die Demokratie“ weiterlesen

Über eine Stadt auf zwei Planeten.

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Ich wohne an der Goldküste und arbeite am Limmatplatz. Ich habe mich an die Figuren, die den Platz frequentieren, inzwischen gewöhnt. Hier gibt es viele Arbeitsplätze. Die Verwaltung eines Grossverteilers, kleine Büros, Läden und das entsprechende Personal. Es gibt viele Seitengassen, Bars und Nischen in Hauseingängen. Und das entsprechende Personal.

Gestern führte mich meine Sujet-Suche in die Zürcher «Rentenanstalt» und dann weiter in die Enge und wieder zurück an den See, Richtung Landiwiese. Dort gibt es vollkommen andere Menschen. „Über eine Stadt auf zwei Planeten.“ weiterlesen

Noch ein Newsletter?

noiseletterMir ist bewusst, dass es Newsletter wie Sand in Ihrer Mailbox gibt. Aber das ist bei den Homepages ja nicht anders. Aber weil a) nicht alle auf Facebook sind, b) wir dort täglich Opfer von Zuckerbergs Filtern werden (also längst nicht alles von unseren Freunden mitbekommen) und c) auch nicht immer Zeit haben, all die interessanten Sachen auf dem Internet abzugrasen, habe ich mir vorgenommen, dann und wann das Aktuelle – Ausstellungen, Aktionen, neue Collabs – in einen NOISELETTER zu packen.

Ich weiss: unsere Zeit ist knapp.

Wir können nicht alles lesen. Darum fühle ich mich nicht nur gebauchpinselt, wenn Sie ihn abonnieren. Ich bin mir meiner Verantwortung auch bewusst und werde deshalb besonders sparsam beim Verschicken sein. Nur gaaaanz wichtiges. Und so.

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Kann «Richtung» falsch sein?

Grundlose Einkommensbedingunge
Es mag richtig sein, dass Unternehmen zum dritten Mal in Folge von Steuern entlastet werden, auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung. Es mag richtig sein, dass wir auf der einen Seite Standortförderung für ausländische Unternehmen betreiben, auf der anderen Standortabschreckung für Flüchtlinge. Es mag richtig sein, dass Politisierende mehr und mehr gegen das Ausland wettern, selbst wenn es in der globalisierten Wirtschaft so etwas wie Ausland gar nicht mehr gibt. Es mag richtig sein, dass Banken keine oder kaum Steuern zahlen, auch nicht auf Finanztransaktionen, die unsere Wirtschaft, unsere Existenz regelmässig aufs Gröbste ins Wanken bringen. Aber warum fühlt es sich dann nicht richtig an? „Kann «Richtung» falsch sein?“ weiterlesen

Wenn du in kein Regal passt …

Der Buchhandel – so richtig mit Laden, Gestellen und Warentischen – denkt in Schubladen. Belletristik zu Belletristik, Romane zu Romanen, Philosophisches zum Philosophischen. Und Neuerscheinungen von Bestsellerautorinnen und -autoren zu den Bestsellern (was dann natürlich dafür sorgt, dass sie das auch bleiben). „Wenn du in kein Regal passt …“ weiterlesen

Wer profitiert, soll auch Verantwortung übernehmen.

VERRATWORTUNGAn der diesjährigen Generalversammlung meiner Baugenossenschaft, inzwischen meine 5. als Präsident, war alles business as usual. Geschäft um Geschäft wurde kurz erläutert und erhielt anschliessend die Zustimmung durch die Versammlung. Bis zum letzten Traktandum: «Varia» enthält normalerweise kleinere Anträge aus den Reihen der Genossenschaft. Doch dieses Mal gab ich bekannt, dass a) meine Familie aus der Genossenschaft ausziehen wird, weil wir die Vermietungsrichtlinien nicht mehr erfüllen und b) ich das Präsidium im nächsten Jahr – auf Ende der Legislatur – abgeben und aus dem Vorstand ausscheiden werde. „Wer profitiert, soll auch Verantwortung übernehmen.“ weiterlesen

Apolitische Kulturschaffende?

“Ich will nichts mit Politik zu tun haben!”

Das habe ich in der Vergangenheit immer wieder gehört. Gefolgt vom Satz «Ich mache Kultur. Aber ich bewundere dein Engagement». Damit war nicht nur klar, dass mein jeweiliger Gesprächspartner sich kaum je für Kulturpolitik einsetzen würde. Es zeigte auch die Haltung, dass andere dafür da sind, für bestimmte Anspruchsgruppen die Kohle aus dem Feuer zu holen. Und darüber hinaus hinterliess es bei mir jeweils einen höchst verwirrenden Eindruck: Denn die allermeisten Kunstschaffenden und Kulturvermittelnden sind nicht nur politisch interessiert, sie streichen die politische Komponente ihrer Kunst im Gespräch oft auch heraus. Gefolgt von einem Statement wie «Aber ich könnte nie einer Partei beitreten. Ich will mit diesem Apparat nichts zu tun haben. Ich will selber denken.» Und dergleichen mehr.

Diese Aussagen unterstellen eine ganze Menge. Und sie bringen viel politisches Unverständnis zum Ausdruck. „Apolitische Kulturschaffende?“ weiterlesen