2016 … verrückt.

2016 bin ich um mehr als ein Jahr gealtert. Es ist, als hätte ich doppelt so schnell gelebt und – statt mich schlafen zu legen – nachts noch eine zweite Schicht eingelegt. So wundert mich der körperliche Crash am Ende nicht. Doch von Anfang an:

Ich habe das neue Jahr mit einem Gefühl ähnlich einem unstillbaren Durst begonnen. Und voller Ungewissheit. Gleich Anfang 2016 erschien WAHRIATIONEN, das zweite iBlöd-Buch. Eine Ausstellung in der Photobastei 2.0 hatte ich auch schon in groben Zügen geplant, wusste aber noch nicht, ob das klappen würde. Und so sehr ich mir auch beides wünschte, so sehr war mir auch bewusst, dass ich die Arbeit dafür noch oben drauf packen musste, zu meinem heissgeliebten Brotjob (darüber weiter unten mehr), zu meinen Neben- und Ehrenamtlichkeiten und meinem Engagement in der SP Kultur (heisst nicht wirklich so, passt aber zu aktuellen Reform-Verwirrungen).

Was ebenfalls schnell klar wurde: Mein Leben würde sich – entgegen meinem Neujahrsvorsatz – noch mehr beschleunigen. Aus einer Ausstellung wurden unversehens deren drei. Und jede wollte ich so gut wie nur irgendwie möglich präsentieren. Nach mehr als 25 Jahren seit der letzten Ausstellung (mal abgesehen von den Teilnahmen an zwei Gruppenausstellungen in Küsnacht und Pfäffikon/SZ vor zwei, drei Jahren) wollte ich es plötzlich wissen.

Bilanz: durchzogen. Ich bin ein NoName. Und als NoName sollte ich nicht allein ausstellen, wenn ich nicht die Zeit und das Budget habe, die Ausstellungen entsprechend zu pushen. Denn von alleine ziehe ich nicht. So ist mein COLLAB-Ansatz im Rahmen meiner Möglichkeiten höchst wahrscheinlich der einzig richtige. Abgesehen davon, dass er auch dafür sorgt, dass ich bescheiden bleibe 😉

Mitten in den Vorbereitungen zu den Ausstellungen wurde auch klar, dass meine Familie und ich uns eine neue Wohnung suchen mussten. Also Inserate lesen, Internet-Plattformen durchforsten, herumtelefonieren und Wohnungen besichtigen. Und dies in einem relativ kleinen Radius, in einer Gegend, in der Wohnen mit zum Teuersten gehört, was man sich überhaupt vorstellen kann. Denn an der Goldküste wohnen all die «Der Markt wird es richten»-Menschen, die ihre Haut möglichst teuer verkaufen bzw. ihren Liegenschaftenbesitz dem Meistbietenden zur Nutzung überlassen. Glücklicherweise fanden wir einen überaus freundlichen Menschen, der nicht nach dieser Maxime lebt und der uns eine Wohnung zur Kostenmiete anbot und in jeder Hinsicht entgegenkommend war. Eine schöne Erfahrung. Und ein Problem weniger.
Da es arbeitstechnisch für die letzten drei Monate des Jahres kein bisschen besser aussah, begannen wir schon während der Ausstellung in Bern die ersten Umzugsschachteln zu packen. Aber vor allem begannen wir damit, Dinge, die die Menschheit nicht braucht, zu entsorgen. Unglaublich, was sich im Laufe der Jahre so ansammelt. Unglaublich auch, was alles zum Vorschein kam. Dinge, Notizen, Erinnerungen …

Zu allem Überfluss entspannte sich auch die Situation an meinem hauptamtlichen Arbeitsplatz kaum. Das ganze Jahr war geprägt von Diskussionen, Personalwechseln, Ungewissheit und aufgeschobenen oder wieder umgestossenen Entscheidungen. Ich fühlte mich des öfteren an die berühmten Rückkommens- und Ordnungsanträge meiner heiss geliebten SP erinnert. Um nicht nach drei Schritten vor wieder ebenso viele (oder mehr) zurück zu machen, muss man eine gewisse Sturheit, manchmal sogar zivilen Ungehorsam an den Tag legen. Das gibt zwar eine dicke Haut, geht aber auch an die Nieren. Und wegen der bzw. einer Nierenkolik landete ich kürzlich nach Arbeitsschluss in der Permanence, einem Ableger des UniSpitals. Die Worte der MPA dort, nun wisse ich, wie sich Wehen anfühlten, war mir ein schwacher Trost. Ich hatte eben erlebt, wie man das ganze Jahr über full speed unterwegs sein kann, um am Jahresende mit offenen Augen gegen eine Wand zu laufen.

Da die üblichen Verdächtigen, Nierensteine, nicht gefunden wurden, bin ich nun in die Untersuchungsmühle geraten. Ich wusste gar nicht, wieviele Kliniken und Stationen es im UniSpital gibt, bin aber froh, dass ich immer nur kurz dort bin. Es ist unvorstellbar, wieviel konzentriertes Leiden man dort antrifft. Im Vergleich zu den meisten dort bin ich wohl eine wehleidige Memme, und meine Leiden sind bloss eingebildet. Hoffe ich wenigstens.

Und was habe ich gelernt? Dass ich viel belastbarer bin, als ich dachte, aber nicht unsterblich.

Ich danke allen, die mich 2016 ein Stück weit begleitet, mit mir gearbeitet, mir die Daumen gedrückt haben und hoffe, dass ich ihnen auch etwas mehr oder weniger Wertvolles zurückgeben konnte. Auf ein neues.

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2 Gedanken zu „2016 … verrückt.“

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