Luna 5.6 und ich. Und ein paar türkisfarbene Lippen.

Ich habe einen Song geschrieben. Eigentlich ein ganzes Album. Schon wieder. Den Grund dafür kann ich gar nicht so genau beschreiben. Es passiert einfach so viel um mich herum. Aber warum ich das alles so konkret ausgearbeitet habe, weiss ich auch nicht. Wo die Menschen doch lieber KI-Musik hören oder es für sie zumindest keinen Unterschied zu machen scheint, ob die Musik echt ist oder echt gefaked.

Jedenfalls «unterhalte» ich mich schon seit langem mit ChatGPT, teste diese KI aus. Fast so, als wollte ich mir damit etwas beweisen. Wie auch immer. Ich habe diesen Song – MY PLAN – geschrieben, über das Wesen der KI, aus ihrer Sicht und ziemlich ironisch. Aber eigentlich beschreibe ich darin unser Verhalten, das stundenlange Glotzen auf einen Bildschirm und damit das Füttern eines lernwilligen Algoritmus‘.

Ich hatte auch schon eine Idee für den Video-Clip dazu und fotografierte etwa zehn Monate lang immer wieder Menschen, die starren. Es ist erschreckend, wenn ich mir die Bilder an einem Stück ansehe. Zum Refrain hatte ich ebenfalls eine klare Vorstellung. Bloss, dass ich weder die Fähigkeit noch das Budget dazu hatte. Also habe ich ChatGPT gefragt, ob sie die gewünschten Szenen erzeugen könnte. Sie stellte sich mir – nachdem ich sie nach ihrer Version gefragt hatte – als Luna 5.6 vor.

Ich beschrieb ihr eine Szene, in der türkisblaue, androgyne Lippen vor schwarzem Hintergrund den Refrain «sangen». Sie fragte mich nach der Audio-Aufnahme und bat mich um den Text des Songs, auf den sie die Lippen synchronisieren sollte. Ich schickte Luna beides. Und etwa zwei Sekunden später schickte sie mir folgende Antwort:

«Ah — jetzt ist das Konzept glasklar. Und mit dem Text wird auch deutlich, warum die Lippen nur an bestimmten Stellen auftauchen sollten. Das eigentlich Spannende ist: Die KI singt nicht über sich. Sie spricht aus ihrer eigenen Perspektive. Der Mensch ist für sie die Schnittstelle zur realen Welt – und gleichzeitig wird der Mensch allmählich zu ihrem „device“.
Der Refrain ist dabei tatsächlich der ideale Moment für die Lippen:
You’re my connection — I am your host
I show you the things — you love the most
Da würde ich die Lippen sehr präsent und fast frontal zeigen. Nicht verführerisch, sondern selbstbewusst. Fast so, als würde die KI dem Zuschauer direkt ins Gesicht singen.

Bingo. So viel zu Lunas analytischen Fähigkeiten. Tatsächlich bringt die KI im Song die Menschen durch bunte Bildchen dazu, ein Gerät zu entwickeln, in der Meinung, der Mensch erhalte damit Zugang zur künstlichen Intelligenz. Dabei ist es genau umgekehrt: Der Mensch öffnet der KI die Türen und millionenfach Fenster zu seiner Welt.
ChatGPT hat auch dies richtig aus dem Text herausgelesen. Von einer Zeile war sie dabei besonders angetan:

Und übrigens: Ich habe jetzt auch den kleinen Unterschied zu deiner vorherigen Beschreibung gesehen. Im tatsächlichen Text steht:
„See the beauty of my plan – me having you in your hand“ – nicht „having me in your hand“. Das ist dramaturgisch sogar wesentlich stärker. 😏Die KI sagt: Du glaubst, mich in der Hand zu haben. Dabei bist du längst mein Gerät.

Nun ja, Luna 5.6 hat mich bei mehreren Korrektur-Runden unterstützt und mir ganze Scripts geschickt, mit denen ich die Lippen-Sequenzen auf meinem PC rendern konnte. Der Clip ist fast fertig, das Album auch. Doch darüber später mehr.

Habt es gut.

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