Assoziationen 1.0

Endlich Ferien. Zwei Wochen, in denen das assoziierende Chaos auch offiziell vonstatten gehen darf. Sich Gedanke an Gedanke reiht ohne zwingende Ordnung. Die Fetzen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mehr oder weniger um meine Aufmerksamkeit buhlen. Wenn es nicht gerade ein Trinkhalm ist, der in einem Negroni steckt, der mich an meine letzte Buchtaufe erinnert, bei der ich meinen ersten Negroni gekostet habe. „Assoziationen 1.0“ weiterlesen

Nur mal angenommen*…

*(Annehmen nicht im Sinne von mutmassen, sondern im Gegensatz zu ablehnen)

Ich schreibe dies als jemand, dem nicht alle Auftritte abgesagt und damit die Lebensgrundlage entzogen wurde, der nicht im Altersheim eingesperrt, nicht in Kurzarbeit versetzt und dem nicht der Job gekündigt wurde, weil die Aufträge wegbrachen. Ich bin auch nicht als selbständig Erwerbender durch alle Maschen gefallen. Ich hatte also – wie viele andere auch – Glück. Aber eben nicht alle. Dennoch scheint mir, „Nur mal angenommen*…“ weiterlesen

Deine Wahrheit oder meine?!

Ich war heute beim Coiffeur meines Vertrauens. Nachdem wir die Tagesthemen, die Misere der Selbständigen, die einfach keine Entschädigungen bekommen und auch die lustigen Fragen der Beamten im Bereich der Kultur («Ihr könnt nicht von Null auf Hundert? Ich habt kein Programm? Aber ihr habt wenigstens ein Schutzkonzept? Wie jetzt?!») durch hatten, kamen wir auf das Phänomen der Verschwörungstheorien zu sprechen – sofern man das Nuscheln hinter Masken als Sprechen bezeichnen kann. Nun, da habe ich so meinen eigenen Ansatz, im Umgang mit Verschwörungstheorien, selbstverständlich. „Deine Wahrheit oder meine?!“ weiterlesen

Ohne Kultur keine Gesellschaft.

Es ist schon interessant: Seit Jahren vertrete ich die Meinung, Kultur sei nicht nice to have. Ich wurde dafür von vielen, wenn auch nicht von allen Seiten belächelt. Was will der jetzt mit Kulturpolitik, wo doch gerade die Bildung den Bach runter geht? Sieht er nicht, dass  wir uns gerade mit einem dummen Rüstungspaket beschäftigen? Warum sagt er, Finanzpolitik gebe es eigentlich gar nicht, denn die Finanzen seien nur dafür da, alles andere zu finanzieren? Wie kann er sich nur für Kultur stark machen, wo es doch gerade im sozialen Bereich so viele Probleme gibt? „Ohne Kultur keine Gesellschaft.“ weiterlesen

Schluss mit lustig

Erst wollte ich ja das Bild des Pfadfinders bemühen. Aber da habe ich nur einen Tag mitgemacht, gerade solange, um das begehrte Halstuch und den Gürtel zu bekommen. Ausserdem wurde mir da ein kleines Heftchen in die Hand gedrückt, von dessen Inhalt mir nur zwei Formeln geblieben sind: «Allzeit bereit!» und «Jeden Tag eine gute Tat.» Letzteres versuche ich redlich. Ersteres gewöhne ich mir jetzt ab.  „Schluss mit lustig“ weiterlesen

Zum Glück.

Zum Glück habe ich es noch rechtzeitig vor dem Lock-down ins Kunsthaus geschafft, in die Ausstellung von Olafur EliassonSymbiotic Seeing. Und habe noch einmal so richtig die Gegenwart von Menschen eingeatmet.
Zum Glück auch habe ich mir – was ich sonst kaum je tue – den Ausstellungskatalog gesichert. Nun kann ich – abseits vom Geplapper der Leute, die wohl noch dem Pfarrer bei ihrer Abdankungsrede ins Wort fallen – Parallelen zu den aktuellen Geschehnissen ziehen „Zum Glück.“ weiterlesen

Vorsicht, zerbrechlich!

Wir leben in einer Demokratie, werden nicht an Leib und Seele verfolgt. Unsere Regale sind in der Regel voll, unsere Kühlschränke prall gefüllt. Wir verfügen über ein grandios leistungsfähiges Gesundheitssystem und leisten uns die entsprechenden Krankenkassenprämien. Und unsere Bildung ist punkto wirtschaftlicher Effizienz weit fortgeschritten. Wir sind sicher.

Und jetzt kommst du, winziger Virus, „Vorsicht, zerbrechlich!“ weiterlesen

Backdoors.

Wissen ist Macht. Mit diesem Satz bin ich aufgewachsen. Mein Vater wollte mich wohl fürs Lernen motivieren, sicher nicht für das Ausspionieren anderer. Später ist eine persönliche Erkenntnis zu meinem Basis-Wissen hinzugekommen: dass ich nicht nur will, dass man mir vertraut, sondern auch, dass ich vertrauen kann, irgend jemandem, auf irgendetwas. So, als ob ich mit meinem Vertrauen doch irgendwo müsste. „Backdoors.“ weiterlesen

Drei geschenkte Jahre.

Fast auf den Tag genau drei Jahre ist es her, als mir reiner Wein eingeschenkt wurde. Diagnose: Krebs. In einer von zwei Nieren. Was folgte, waren – in kurzer Abfolge – insgesamt fünf weitere Eingriffe und eine äusserst anstrengende Imun-Therapie. Diese Entwicklung zwang mich, mein Leben – etwas Absolutes –  laufend zu relativieren. Bei der letzten Kontrolle wurde bei mir nichts mehr gefunden. Uff. Rückblickend betrachte ich diese Zeit als drei geschenkte Jahre. Und jeden weiteren Tag, jedes weitere Jahr ebenso. „Drei geschenkte Jahre.“ weiterlesen