Nehmen wir an, du arbeitest in der Personalabteilung, der sogenannten Human Resources. Du lässt dir für eine Stellenausschreibung von der KI bei der Formulierung helfen. Diese bringt alles auf den erwartbaren Nenner und Hochglanz. Du nimmst auch ihren Tipp, wo diese Stelle auszuschreiben, dankbar entgegen und lancierst die Suche. Du bekommst darauf 1200 Bewerbungen, was bei deinem HR-Vorgesetzten mächtig Eindruck macht. Vielleicht, wenn ihm sein Job nicht total am Arsch vorbeigeht, fragt er dich, wieviele der Bewerbungen denn zum Profil passen. Es sind, sagen wir 28. Er nickt zufrieden und ist auch damit einverstanden, per Zufallsgenerator drei Kandidierende zum Gespräch einzuladen. Während der Gespräche beantwortet er fleissig Mails und fragt dich anschliessend nach deinem Eindruck. Du schlägst ihm ganz sicher nicht Kandidat:innen vorm die über kurz oder lang zur Konkurrenz werden könnte. Und letztlich entscheidest du aus dem Bauch.
So bekommt ein Unternehmen genau die Mitarbeitenden, die es verdient und die nach ein, zwei Jahren die Stelle wechseln, Braindrain und erneuter Aufwand inklusive. Aber alles so, wie es McKinsey oder besser noch: die KI empfiehl, also nach bestem KI-Wissen und -Gewissen. Und nach wenigen Jahren wechselst du selbst die Stelle. Weil es um nichts geht. Weil es einerlei ist, wo du arbeitest. Und weil sich niemand für die Flicktuation bei deinem vormaligen Arbeitgeber interessiert. Nur für die Quote, die du mit deinen Stellenauschreibungen erzielt hast.
Stell‘ dir einfach mal vor, es ginge um Menschen. Würdest du dann so vorgehen? Würdest du dich – da du ja selber ein Mensch bist – so unter Wert verkaufen? Rede dich nicht heraus, indem du feststellst, dass ddas heute nun mal so ist. Es ist nur so, weil du es zulässt. So verhält es sich übrigens auch bei den «Volksvertreter:innen» die du alle vier Jahre wählst, statt dich selber aufstellen zu lassen. Und so weiter. Bis zum Gehtnichtmehr.
Ich wünsche dir einen schönen Wochenstart.