Kontrolle: Verzagmeinnicht.

Vorher.

Eine blühende Phantasie hat nicht nur Vorteile. Sätze wie «Bei Ihnen wächst alles so schnell (zusammen)» klingen nur in Bezug auf die Heilung der Narben wirklich positiv. Wenn ich mir aber ein kleines, aber reges Resttumörchen vorstelle, wird mir ungemütlich. Nun ja, Verzweiflung ist weder gut noch schlecht, sondern der herausfordernde Zustand, mit sich nicht einig zu sein, ohne die Aussicht auf einen Kompromiss.

Vor ein paar Tagen hatte ich Rückenschmerzen. Prompt träumte ich nachts, ich hätte entlang meiner Wirbelsäule Metastasen. Werde ich zum Hypochonder? Wo doch im Augenblick nichts darauf hindeutet, ich könnte erneut erkrankt sein. Aber beim ersten Mal habe ich auch nichts gemerkt.

Ausgerechnet jetzt, so kurz vor der nächsten Kontrolle, habe ich nichts oder fast nichts zu tun bzw. komme ich mit ein paar Sachen nicht weiter. Die Stunden schleichen. Der Zug schleicht. Die Sonne scheint, wie es nur eine hemmungslose Optimistin zu tun vermag.
Drinnen, im Trakt Nord 1 des USZ, sind die Wände auch weiterhin schmuck- und der Wartebereich trostlos. Ich sitze mit anderen im Ungewissen, bis ich an der Reihe bin. Der Arzt meines Vertrauens steht vor mir, aufmerksam und freundlich wie immer. Wir unterhalten uns kurz über mein allgemeines Wohlbefinden. Alles unauffällig. Aber in meinen Achselhöhlen machen sich Sturzbäche bemerkbar. Dann sagt er: «Dann wollen wir einmal sehen.»
Nein, wollen wir nicht! Zu spät. Der Monitor ist an, die Kamera schon in der Blase.

Nachher.

Er schaut. «Hm.» Zirkelt. Sagt «Hm.» Ich sage nichts. «Jetzt wird es vielleicht unangenehm …, hm.» Können «Hms» unangenehm sein? Sie können. « Da schaut es gut aus.» Aha. Wieder ein Hm, dann noch eins, dann noch eins, dann «Gut. Ich sehe nichts. Sieht alles sehr schön aus. Das wars schon.» Er grinst. Ich auch. Wie blöd. Frage zur Sicherheit aber noch: «Es ist also alles ok. Bin ich sauber.» Er grinst. «Ja, alles sauber.»
YESSSSSSS! Zünd, zisch, boummmm, tagg-boum-bäämmm … sparkle-sparkle-sparkle!
Ich kann es kaum fassen: meine erste Kontrolle ohne Befund seit 2016, als das alles angefangen hat. Ich hüpfe zum Lift, lasse ihn aus, nehme die Treppe, schwebe dem Ausgang zu und blinzle in die Sonne. Danke.

Das muss begossen werden. Ich trinke auf mich. Und auf euch.

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8 Gedanken zu „Kontrolle: Verzagmeinnicht.“

  1. Mich. Mich kümmert’s.

    Und ich bin tief glücklich, dass du heute dein Befreihungfest sowie dein ganz intimes, ganz neues Freiheitsfeeling richtig geniessen und feiern kannst!

    À ta santé et à la vie, mon cher Stefan!
    Ganz herzlich und auf weitere good News 😉
    Nicole

    1. Liebe Nicole,

      Herzlichen Dank für deine Zeilen. Ich schwebe noch immer. Was nicht heissen soll, dass ich etwas gegen Reibung hätte. Reibung erzeugt Wärme. Allerdings ist mir in letzter Zeit ein wenig zu warm geworden. Das Gefühl vom Fliegen hilft über einiges hinweg.

      On fait la fête!

      Alles Liebe | Stefan

    1. Liebe Sandra, danke für deine Anteilnahme in einem Moment, in dem du selbst gebeutelt wirst. Ich hoffe, du findest die Stille und die Kraft, in der sich deine Atömchen wieder schön ordnen und erneut um den Kern der Sache, die Freude des Lebens, kreisen können.

      Viel Kraft, liebe Grüsse | Stefan

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