Assoziationen 1.0

Endlich Ferien. Zwei Wochen, in denen das assoziierende Chaos auch offiziell vonstatten gehen darf. Sich Gedanke an Gedanke reiht ohne zwingende Ordnung. Die Fetzen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mehr oder weniger um meine Aufmerksamkeit buhlen. Wenn es nicht gerade ein Trinkhalm ist, der in einem Negroni steckt, der mich an meine letzte Buchtaufe erinnert, bei der ich meinen ersten Negroni gekostet habe.

Als Assoziation gilt die Annahme, dass Vorstellungen in Form einfacher kognitiver Elemente, miteinander verknüpft (erlernt) werden. Die Verbindung geschieht unter bestimmten Bedingungen, wie Emotionen oder von Modifikationen einfacher Sinneseindrücke. Denkprozesse seien beispielsweise eine Folge dieser Verknüpfungen.

Der Beginn meiner Ferien markiert gleichzeitig mein 7-Jahre-Jubiläum bei Wohnbaugenossenschaften Zürich. Die Zeit verging nicht immer wie im Flug. Und mittlerweile bin ich der Dienstälteste auf der Geschäftsstelle. Wer weiss, wie es weitergeht?

Ferien sind für mich immer auch ein Anlass, mir über alles Mögliche Gedanken zu machen. Nicht, dass ich das wollte. Aber die Fetzen liegen nun mal als wilde Sinneseindrücke wie Köder in einer nicht besonders einladenden Auslegeordnung am Boden, hängen an den Wänden und anderswo. Während in der Nähe Kühe muhen. Sie erinnern mich an einen Abendspaziergang mit meinem Grossvater. Die Kühe muhten gross und laut, ich war noch klein und knirps. Ich fragte ihn, warum sie muhten. Er sagte, sie riefen den Bauern, damit er sie von der Weide holte um sie endlich zu melken. Damals waren ihre Euter noch nicht so gross. Ein paar Abende später, wieder auf einem Spaziergang, schaute er mich mit fragenden Augen an. Ich lief in Tränen still neben ihm her. Er wollte wissen, warum. Ich erklärte ihm, dass die Kühe schon lange riefen. Dem Bauer sei ganz bestimmt etwas zugestossen. Sonst hätte er die Kühe doch längst von der Weide geholt. Ich glaube, dass er darauf hin lachte. Aber ich weiss es nicht mehr. Wie so vieles, das ich in meiner Erinnerung romantisiere. Wie so vieles, das mich jetzt in Fitzelchen und Fetzen umgibt. Wie die Briefe meines verstorbenen Vaters an eine seiner Verblichenen, die ich noch immer nicht gelesen habe, obwohl sie mir diese gab mit dem Versprechen, dass ich aus ihnen einiges über mich erfahren würde. Aber ich habe schon so viel über mich erfahren und bin dennoch kein bisschen schlau aus mir geworden.

Warum mache ich zum Beispiel noch immer neue Bilder? Wo es doch keinen interessiert und es mir doch völlig reichen würde, sie im Kopf zu haben. Nebst all dem anderen, das sich da dicht zusammendrängt. Vielleicht versuche ich sie so aus meinem Kopf zu kriegen und wieder etwas Platz zu schaffen. Platz zum Atmen. Ich muss mir in den Ferien einen Platz zum Atmen suchen. Keine leichte Aufgabe in Zeiten von Corona, wo es so wenige in ihren vier Wänden aushalten, obwohl es das vernünftigste wäre. Aber warum sollten andere vernünftiger sein als ich? Weil sie – im Gegensatz zu mir – offenbar logisch denken können.

Mit Logik (von altgriechisch λογικὴ τέχνη logikè téchnē ‚denkende Kunst‘, ‚Vorgehensweise‘) oder auch Folgerichtigkeit[1] wird im Allgemeinen das vernünftige Schlussfolgern und im Besonderen dessen Lehre – die Schlussfolgerungslehre oder auch Denklehre – bezeichnet. In der Logik wird die Struktur von Argumenten im Hinblick auf ihre Gültigkeit untersucht, unabhängig vom Inhalt der Aussagen.

Ist doch logisch. Genauso logisch wie das Maskentragen: Da ist möglicherweise eine grosse Gefahr. Und dort ist wahrscheinlich eine einfach Lösung, sich davor zu schützen. Endlich Ferien. Endlich nicht mehr die Deppen im Zug sehen müssen, die zwar wahrscheinlich ein Unternehmen führen oder zumindest Aspiranten* dafür sind, aber nicht fähig sind, die Maske richtig zu tragen. Wenn überhaupt. Sie sind kein bisschen besser als jene, die sich lieber einen Aluhut überstülpen, statt eine Maske zu tragen. Dabei tragen wir schon lange Masken. Im Alltag. Im Gespräch mit anderen. Sagen nicht, was Sache ist. Apropos Maske: Ich muss einen Termin bei der Kosmetikerin meines Vertrauens vereinbaren.

Einen schönen Feuertag allerseits!

*Schon mal über mögliche Zusammenhänge zwischen Aspiration und Aspirant nachgedacht? Es sind ja Ferien.

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